Laudatio der Jury – Dr. Jan von der Gathen zum saarländischen Schulpreis 2014/2015

Diplom-Pädagoge, Leiter der Franz-Vaahsen-Grundschule Düsseldorf, Pädagogischer Experte des Deutschen Schulpreises, Mitherausgeber der Schriften „Die Grundschulzeitschrift“ und „PraxisWissen Schulleitung Grundschule“; aus Essen

„Vom ICH und meine Klasse zum WIR und unsere Schule“ – welche Schule verkörpert dieses geflügelte Wort besser als die im Folgenden zu würdigende Schule? Es zählt echte Teamarbeit, Einzelkämpfer haben es hier schwer. Das was in vielen Kollegien noch fehlt, gehört längst zur Professionalität der Lehrerinnen und Lehrer dieser Schule: Eine im Stundenplan fest verankerte Teamsitzung für alle Klassenlehrkräfte.

Erst solche konkret verfassten Orte und Zeiten für Kooperation stellen Unterrichtsentwicklung auf Dauer. Hier wird nach der Maxime Martin Bubers gearbeitet: das ICH reift am DU. Denn erst in der sachorientierten Auseinandersetzung mit meinen Kolleginnen und Kollegen kann meine eigene Unterrichtsarbeit besser, professioneller werden.

Doch es zeichnet eine gute Schule auch aus, dass sie immer noch besser werden will. Daher ist es gut, dass insbesondere den Mitgliedern der Schulleitung die sogenannten blinden Flecke bewusst sind. Sie haben sich den kritischen Blick bewahrt und ruhen sich nicht auf dem hohen Schülerzuspruch aus. Schulleitung setzt sich immer wieder neue Ziele und nimmt das Kollegium auf dem Weg dorthin mit.

Eines wird dem Besuchsteam an dieser Schule sehr schnell klar: Es fühlen sich nicht nur alle wohl, das wäre zu wenig. Alle Beteiligten – Schüler, Lehrer, Eltern – identifizieren sich mit dieser Schule. „Das ist meine, das ist unsere Schule!“. Auffällig ist vor allem: Das Miteinander ist sehr höflich, freundlich, ja fast herzlich – bei allen Beteiligten. Lernen braucht Beziehung – gerade im Bereich der Grundschule.

Das größte Pfund zuletzt:

Eltern sagen von ihrer Schule, von der Schule ihrer Kinder: „Die Stärken werden hier gestärkt und die Schwächen geschwächt“. Wer seinen Bildungsauftrag auf diese Weise annimmt, ist preiswürdig, ja er strahlt im Bereich der individuellen Förderung Exzellenz aus. Daran gekoppelt ist ein äußerst produktiver Umgang mit Vielfalt. Das wird insbesondere in der Arbeit der beiden Zweige, dem Halbtags- als auch dem Ganztagsbereich deutlich:

Das einzelne Kind steht im Mittelpunkt dieser Schule. Es entstehen über den Tag verteilt, gut rhythmisiert, viele Produkte. Die Vielfalt eines Themas, ob im handwerklichen, künstlerisch-ästhetischen oder technischen Bereich, ist sehr gut angesprochen. Die Persönlichkeit des Kindes kann sich hier äußerst anregungsreich entwickeln. Und: Die Schule will dabei Herkunft und Lernerfolg entkoppeln. Wie man sieht: mit Erfolg! Denn in beiden Testdomänen Deutsch und Mathematik liegt die Schule bei VERA über dem Landesdurchschnitt. Bestechend ist die gleichzeitig praktizierte Leistungsbewertung: Die Noten bis zur Mitte des 3. Schuljahres wurden längst abgeschafft. Statt eines Zeugnisses erhält der Schüler aussagekräftige Lernberichte. Kurz und prägnant werden neben den Fachleistungen auch die Bereiche des Arbeits- und Sozialverhaltens indikatorenbasiert zurückgemeldet. Das ist mehr als eine Ziffer!

Auch heute erhält die Schule keine einzelne Ziffer als Rückmeldung ihrer Leistung. Heute erhält die Schule einen der Preise im Rahmen des Saarländischen Schulpreises.

Es ist die „Grund- und Ganztagsgrundschule Im Vogelsang“ aus Saarlouis.“